Diesen traurigen Anfang der Weihnacht 1914 folgte ein noch wehmütigerer Abend. Aus den Gärten hatten wir einige Tannenzweige geholt, diese steckten wir in die Grabenwand, einige kleine Lichtstumpfe darauf und etwas Goldpapier aus den Häusern um die Ecke, wo die schwarze Madonna von Czenstochau in kleinen Rahmen hing. Das war unser Lichterbaum. Um den Lichtschein abzublenden, wurde eine Tür über den Graben gelegt, und da hockten wir zur Weihnachtsfeier. Einer oder der andere sang oder pfiff vor sich hin „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Keiner war ohne Tränen, die Mannschaften kamen sich ablösend herbei, froren, hatten Hunger, kein Lager, kein Wasser, kein Rauchzeug, vor der Stellung kein Hindernis, vor wenige 50 m die Posten vorgeschoben. Es war wohl das wehmütigste Weihnacht, das ich erlebt habe.
Am I. oder II. Weihnachtstage kamen Zigaretten und Gebäck als Liebesgaben, die sogleich verteilt wurden als Zeichen, daß man uns doch nicht vergessen hatte.
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