Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg

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Theobald Theodor Friedrich Alfred von Bethmann Hollweg (* 29. November 1856 in Hohenfinow, Provinz Brandenburg; † 2. Januar 1921 in Hohenfinow) war ein deutscher Politiker.

Seine Karriere begann als Verwaltungsbeamter und gipfelte in seiner Amtszeit als Reichskanzler von 1909 bis 1917. In dieser Zeit erfolgte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Theobald von Bethmann Hollweg wuchs in Hohenfinow in der Provinz Brandenburg auf, wohin seine Familie 1855 gezogen war. Noch sein Urgroßvater Johann Jakob Bethmann-Hollweg war in Frankfurt am Main Bankier gewesen, was Distanz zum preußischen Militärgeist und Nähe zu den Gedanken des Vormärz’ schaffte.
Theobalds erster Unterricht erfolgte durch Erzieherinnen und Hauslehrer. Die Erziehungsziele des Vaters Felix von Bethmann Hollweg waren Härte gegen sich selbst, Willenskraft, Treue und Pflichterfüllung. Dies spiegelte sich in den allgemeinen Lebensumständen Theobalds in Hohenfinow wieder. Sein älterer Bruder Max verließ 1884 im Streit mit dem Vater Brandenburg, um nach Amerika auszuwandern, wo er noch vor der Jahrhundertwende in schlechten Verhältnissen verstarb.
1869 trat er als Untertertianer in die Königliche Landesschule zur Pforte (Schulpforta) ein, um dort 1875 als Klassenbester die Reifeprüfung abzuschließen.
Für die bestandene Abschlussprüfung schenkte sein Großvater ihm eine mehrmonatige Italien-Reise. Über diese schrieb er an seinen Freund Oettingen:
Auf die Reise folgte das Studium der Rechtswissenschaften in Straßburg, das 1876 ebenfalls beendet wurde. Die nächste Station seiner Ausbildung war die Universität Leipzig. Nach kurzem Soldatenleben in Berlin fühlte er sich faul und apathisch, lebte in den Tag hinein und fand seinen jugendlichen Idealismus verdammt fadenscheinig. Bei der Lektüre Wilhelm Meisters habe er weinen und bei David Strauß’seine Überschwänglichkeit zu Grabe tragen müssen.
An der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin legte Bethmann Hollweg seine Abschlussprüfung ab. Sein Lehrmeister dort war Rudolf von Gneist. Sein Studium in der Hauptstadt erfolgte sicher nicht aus patriotischen Gründen: Bethmann Hollweg wünschte sich ein Preußen als Diener, nicht als Herrscher des Reiches und wollte so schnell wie möglich zurück an den Rhein. Jedoch blieb er in Berlin und arbeitete als Referendar am Amtsgericht Berlin I.
Seiner Liebe zur Jagd folgend reiste er 1879 in die Karpaten. Er besuchte Wien und Budapest und schrieb an Oettingen: Fremdes Land und fremde Sitten, wie köstlich ist das für uns nordische Biber. Darin wird deutlich, dass Bethmann Hollweg stets den Blick über den Horizont des deutschen Nationalstaates hinaus gerichtet hat. Er befasste sich mit anderen Völkern, und seine Fremdsprachenkenntnisse waren für einen preußischen Referendar nicht der Normalfall. Im Oktober 1880 kam der Jurist ans Amtsgericht Frankfurt/Oder.
1882 trat Bethmann Hollweg zur Bezirksregierung Frankfurt (Oder) über, bevor er zu seinem Vater ans Landratsamt nach Freienwalde wechselte. 1884 legte er in Frankfurt die Assessorprüfung mit Auszeichnung ab. Seine Amtseinführung als königlicher Regierungsassessor erfolgte am 10. Dezember 1884. Im Jahr darauf ging Bethmann Hollweg zur brandenburgischen Provinzialregierung nach Potsdam. Bereits Mitte 1885 wünschte Felix von Bethmann Hollweg seinen Landratsposten im Landkreis Oberbarnim aufzugeben, weshalb der Sohn zunächst interimistisch, am 20. Januar 1886 aber durch seine offizielle Ernennung das Amt übernahm. Mit nur 29 Jahren war Bethmann Hollweg zum jüngsten Landrat der Provinz Brandenburg geworden.
Der große und füllige Bethmann Hollweg hatte 1879 das Offizierspatent erworben.
1890 stellten Konservative, Nationalliberale und Freikonservative Bethmann Hollweg als gemeinsamen Kandidaten für den Reichstag auf.
Nach zehn Jahren Landratszeit erfolgte 1896 seine Beförderung zum Oberpräsidialrat im Oberregierungspräsidum Potsdam. In diesem Amt verblieb er nur drei Jahre, bevor er am 1. Juli 1899 zum Regierungspräsidenten in Bromberg ernannt wurde. Nur drei Monate später war Theobald von Bethmann Hollweg mit 43 Jahren als jüngster Oberpräsident Preußens an die Spitze der Provinz Brandenburg aufgestiegen.
Am 21. März 1905 erfolgte die Ernennung Bethmann Hollwegs zum preußischen Minister des Innern und damit der endgültige Aufstieg in die Politik.
Wilhelm II. berief 1909 Bethmann Hollweg aus unterschiedlichen Gründen zum neuen Reichskanzler: Einerseits war dieser schon in Bülows Amtszeit dessen Vize gewesen, andererseits wusste der Kaiser um die ausgleichende Persönlichkeit des Staatssekretärs, die die Situation der rivalisierenden Parteien beruhigen sollte. Zudem stand Bethmann Hollweg durch sein bescheidenes Auftreten und seine Erfolge als Kaiser-Berater in der Gunst Wilhelms II. Reichskanzlei-Leiter Friedrich Wilhelm von Loebell nimmt in seiner Biografie in Anspruch, Bethmann Hollweg dem Kaiser vorgeschlagen zu haben. Doch die Ernennung Bethmann Hollwegs war schon zuvor in Politiker-Kreisen nahegelegt worden. Bereits Friedrich August von Holstein, die graue Eminenz der Außenpolitik, hatte ihn 1908 Bülow empfohlen.
Am 31. Juli 1914 fand die offizielle Verhängung des Kriegszustandes statt. Auf formelle Kriegserklärungen hatte Bethmann Hollweg im Gegensatz zu Vertretern des preußischen Kriegsministeriums bestanden, um nach dem Völkerrecht eine Bestätigung zu haben. Der tiefe Wunsch nach immer geltenden Richtlinien im Krieg wurde in Berlin mit Verwunderung aufgenommen.
Während des Krieges gab es immer wieder Probleme zwischen ihm und der Obersten Heeresleitung, der zu kompromissbereit war. Im Juli 1917 trat er schließlich zurück.
Im November 1918 erschütterte die Revolution das Kaiserreich. Der Umsturz, den der Altkanzler als désastre bewertete, veränderte die politische Situation und brachte auch für Bethmann Hollweg neue Erkenntnisse.
1919 sollte Wilhelm II. vor einem Tribunal der Entente verhört werden. Bethmann Hollweg erwies dem Kaiser einen letzten Treuebeweis und bot an, selbst anstatt des Kaisers vernommen zu werden. Schließlich sei er der politisch Verantwortliche gewesen.
Theobald von Bethmann Hollweg verstarb nach dem Neujahrstag 1921.
Bild: Amtliche Kriegsdepeschen,Nationaler Verlag
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