Das Eiserne Kreuz II. Klasse (27)

Nichtsnutz war auch Vollstrecker von Gewaltkuren, die ich verordnete. Als im Januar 1915 viel Durchfall herrschte, kochte er große Töpfe von Bolus alba mit etwas Kakao, und dann wurde zugweise angetreten und jeder, ob krank oder gesund bekam einen Becher davon eingeflößt. Ebenso verzapfte er im Sommer 1915 Darmkranken eine ½ Flasche des herben Rotweins mit Sago, ob der Mann wollte oder nicht. Erfolg, der Mann war geheilt.
Nachts packte mich der Nichtsnutz schön in die Decken ein. Wenn in Zelten kampiert wurde, hatte er schnell das bei Kamien von dem russischen Kavallerie Stab zurückgelassene, ausziehbare, Feldbett nebst Matratze vom Patronenwagen geholt und gleich unters Zelt geschoben, die Stiefeln mir ausgezogen und leichte Schuhe gebracht. In jeder Hinsicht war der Nichtsnutz ein prächtiger Mensch. Es tut mir nur leid, daß ich ihm nicht das Eiserne Kreuz verschafft habe, ich habe damals viel mit anderen Offizieren und mit einigen meiner Unteroffiziere darüber gesprochen, wollte aber den Schein meiden, daß er als mein Bursche als bevorzugt angesehen wurde. Verdient hatte er die Auszeichnung sicher.
Nach meinem Weggang hat er in gleicher Weise treu für die Führer meiner 2. Kompanie gesorgt, so auch für Leutnant der Reserve Arndt, den ich als Unteroffizier zur Ausbildung im Winter 1915 zugewiesen bekam und der nachher, zeitweise, meine brave 2. Kompanie geführt hat.
Später ist der Nichtsnutz verwundet worden, wie ich nach 1934 im Archiv in Berlin festgestellt habe. Nach dem Kriege hat er nie etwas von sich hören lassen und die Möglichkeit eines Aufrufs, in den an Polen abgetretenen Gebiete, bestand nicht.
Nach dieser Würdigung meines braven Burschen und Erklärung, wo und weshalb er den Namen Nichtsnutz bekam, zurück zu unserem Nachhinken hinter dem Regiment.
In Budy Stare hatten wir es glücklich gefunden. Als ich mich am 19. oder 20. 12.1914 beim Regimentskommandeur meldete, überreichte er mir das Eiserne Kreuz II. Klasse, das er schon mehrere Tage für den Kampf bei Bielawy für mich hatte, und sagte gleich, bei dem bisherigen Battallionesführer, Hauptmann Wolff, brauchte ich mich nicht zu melden, der würde als unbrauchbar nach Hause geschickt, denn zwei Kompanien und die Maschinengewehre zu vergessen, wäre doch ein tolles Stück. Der Schulmeister verschwand auch bald.


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