Morgens am 24. 12. 1914, es war gegen 3 Uhr, plötzlich Alarm, alles fertig machen. Abrücken. Auf schmalen Sandwegen ging es durch Wald und Felder. Wohin wußten wir nicht. Als die Berittenen nach vorn befohlen wurden, konnte mein Zossen, ein ganz fauler, kaum an den Marschkolonnen vorbei. Bei der Besprechung erfuhren wir, daß wir eingesetzt werden sollten und uns eingraben sollten. So kam es auch.
Bei der Zuckerfabrik in Mlodzieszyn erreichten wir die Straße, die nach Norden auf die Bzura Mündung zu ging. Dieser uns später so bekannt gewordenen Straße folgten wir bis vor die Dünen von Mlodzieszyn und bogen da, wo nachher mein Unterstand im Kartoffelkeller in der Reserve-Stellung war, in die Dünen ab, dann durch den Sumpf an dem Graben, der längs der Höhen ging, auf die Windmühle Kamien los und nun wurde Halt gemacht. Ich bekam den Abschnitt etwa ab Windmühle bis Kamien Nord zugewiesen. Wir buddelten. Erst schonten wir noch die Gärten der Gehöfte von Kamien Nord, aber der Adjutant sagte, es sei Krieg. Bis zum Abend hatten wir einen schmalen Graben fertig, z. T. mußte ein Wall gebaut werden, weil der Boden zu naß war. Dabei kamen immer dicke Brocken von der russischen schweren Batterie bei Brochow, die etwa 50 m vor und hinter der Grabenlinie einschlugen. Eins der Granatlöcher bestimmte ich als Latrine. Und da passierte es, daß ein Mann beim Austreten von einem Granatsplitter getötet wurde. Diese Splitter sausten glühend und merkwürdig sausend durchs Gelände. Am Heiligabend 1914 habe ich den Mann an der Windmühle Kamien in die Erde betten lassen und sprach das Gebet für diesen ersten Toten bei Kamien. Viele, sehr viele, sind ihm dann dort gefolgt.
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